Schreibgewitter

7. Februar 2010

Sogwirkungen

Abgelegt unter: Allgemein — admin @ 12:02

Okay, okay … der letzte Eintrag stammt von Anfang Januar, und dafür gibt es eigentlich keine gute Entschuldigung. Ich versuche es trotzdem: Nach der nervenzehrenden Warterei auf das Erscheinen der Bücher haben mich die Ereignisse schier überrollt, und ehe ich mich versah, hatte ich schon mit dem zweiten Band von “Splitterherz” begonnen. Und der entwickelt Sogcharakter. Ich versuche, jeden Tag mindestens ein Kapitel zu schreiben und ein weiteres im Notizbuch zu entwickeln, so dass ich schon abends den ersten Satz im Kopf habe (ich habe festgestellt, dass mein Schlaf unter dieser Voraussetzung wesentlich ruhiger ausfällt). Und Ellie&Colin-Kapitel haben es wirklich in sich.

Außerdem gab/gibt es da noch die beiden autorenbegleiteten Leserunden beim Büchertreff und Lovelybooks. Spannend, aufregend, inspirierend, manchmal auch zu Tränen rührend. Doch auch sie kosten Zeit. Ebenso wie das ein oder andere Interview, das in den vergangenen Tagen beantwortet werden wollte.

Und, ach ja … Colin ist es irgendwie gelungen, die Technik zu überlisten und sich ein Profil in Facebook anzulegen - man sehe und staune. Leider ohne komplettes Foto. Angeblich hat die Digitalkamera versagt. Wen wundert’s! Aber wer “Splitterherz” gelesen hat und ihm bis zum nächsten Band Gesellschaft leisten möchte, kann dies hier tun:

http://www.facebook.com/pages/Colin-Jeremiah-Blackburn/444947490327?ref=nf

2. Januar 2010

Alles ist relativ: gefühlte Zeit

Abgelegt unter: Allgemein — admin @ 22:16

Es ist schon seltsam mit der Zeit: Das vergangene Jahr verging wie im Flug, und jetzt sitze ich hier und bin zappelig wegen lächerlicher 13 Tage. 13 Tage, bis meine ersten drei Bücher erscheinen - darunter “Splitterherz”. Und schon die vergangenen Tage zogen sich wie Kaugummi.
Ich weiß es noch genau: Als meine Agentin mir im November 2008 am Telefon sagte, dass sie einen Verlag für “Sturmsommer” gefunden hat, fragte ich scheu nach, wann es denn dann erscheine. Mir war schon klar, dass das nicht morgen und auch nicht übermorgen sein würde. Das Manuskript war zwar fertig, doch ein Lektorat kostet seine Zeit, ganz zu schweigen von den Korrekturen und der Herstellung. Dennoch war es ein kleiner Schock, “Frühjahr 2010″ zu hören. Oh je, so lange noch …
Aber neben mir lag ein fünf Wochen altes Baby und schielte gierig auf Mamas Busen, und bereits in diesen übermüdeten fünf Wochen hatte mir dieses Wesen unmissverständlich klar gemacht, dass es wenig schlafen, viel trinken und noch viel mehr herumgertragen werden möchte. So war es dann auch, und ich war nicht ganz unglücklich darüber, dass noch eine Menge Zeit ins Land streichen würde, bis ich Sturmsommer in den Händen halten konnte. Genug Zeit für die Überarbeitung und die Schlusskorrekturen. Damals ahnte ich nicht, dass wenige Wochen darauf die Zusammenarbeit mit Loewe klar gemacht und ein weiterer Vertrag abgeschlossen werden würde … auch nicht, dass ich zusätzlich Kinderbücher schreiben durfte. Dass sich neue Projekte anbahnen würden.
So schrieb ich und schrieb und schrieb und schrieb und wups, war das Jahr vorüber. Ich schreibe immer noch, es gibt keinen Stillstand, und trotzdem - ich gebe es zu, ich bin ungeduldig und nervös. Dabei rieselt ja kein Konfetti von der Decke, wenn ich endlich aufwache und weiß, dass wir den 15. Januar haben. Vermutlich wird es ein ganz normaler Tag, an dem nichts Weltbewegendes passiert. Also sollte ich ihn eigentlich nicht zu wichtig nehmen. Schließlich nehme ich nicht mal Silvester wichtig.
Doch, Moment: Eines wird passieren. Ich hab zu Weihnachten von einer guten Freundin ein kleines, verschnürtes Päckchen bekommen, das ich erst am 15. öffnen darf. Also: Selbst wenn nichts sonst geschieht - eine Überraschung wird auf jeden Fall dabei sein.
Und abends vor dem Einschlafen kann ich dann vielleicht wirklich anfangen, daran zu glauben, dass meine Bücher in den Läden stehen.

21. Dezember 2009

Neue Seite auf Facebook

Abgelegt unter: Allgemein — admin @ 14:45

Ja, es ist eine Menge Zeit vergangen seit meinem letzten Eintrag. Ich war den ganzen November lang krank und hatte daher im Dezember mehr als genug zu tun, denn es ist so viel liegen geblieben - und die Manuskripte schreiben sich ja nicht von selbst (das wäre meine Wunsch-Erfindung: Gedankenübertragung direkt in die Tasten des PCs - genial).

Weil ich wahrscheinlich auch in den nächsten Wochen nicht dazu kommen werde, hier ausführlich zu bloggen, nenne ich euch einfach zwei Adressen, unter denen ihr regelmäßig Neues findet:

www.splitterherz.com - hier gibt es inzwischen unter anderem zahlreiche Leseproben, und im Januar wird außerdem ein Gewinnspiel stattfinden

http://www.facebook.com/pages/Bettina-Belitz/362847510716?ref=ts Das ist meine neue Facebookseite, auf der ich kurz und bündig alles ankündige, was mit meinen Büchern zu tun hat - zum Beispiel anstehende Leserunden, Verlosungen etc.
Seitenmitglieder, bei Facebook leider “Fan” genannt (grmpf), werden automatisch auf ihrer Facebookstartseite informiert.

Allen Besuchern wünsche ich ein ruhiges, friedliches und erholsames Weihnachtsfest und einen gelungenen Rutsch ins Neue Jahr!

26. Oktober 2009

Kommentieren klappt!

Abgelegt unter: Allgemein — admin @ 13:00

Wie ich eben zu meinem Erstaunen entdeckt habe, hat das mit dem Kommentieren auf dem Splitterherz-Blog doch schon funktioniert. Hm. Sehr mysteriös. Denn obwohl ich gestern keine Kommentare gesehen habe, sind nun sogar welche vom Donnerstag drin.
Aber das passt irgendwie zu Splitterherz. Im Buchgeschehen gönnt sich die moderne Technik ja auch ihre Sperenzchen. Jedenfalls darf jetzt nach Herzenslust Senf verteilt werden!

24. Oktober 2009

Splitterherz im Blog: Pass auf deine Träume auf!

Abgelegt unter: Allgemein — admin @ 21:27

splitterherz_coverPuh. Was für eine Woche. Im Moment habe ich das Gefühl, meine Augen sind viereckig  statt rund. Ich habe definitiv zu viel Zeit am Bildschirm verbracht.

Aber - viel wichtiger: Der neue Splitterherz-Blog ist online gegangen. Splitterherz ist der Titel meines Buches für junge Erwachsene, das im Januar  im Script5-Imprint von Loewe erscheinen wird. Auf www.script5.de finden sich unter “Bücher” und “Autoren” bereits die wichtigsten Daten zu Inhalt, Seitenzahl, Preis etc. Und weil nebendran in der Sidebar eine wunderschöne Flash-Animation für Leben sorgt, verweise ich an dieser Stelle gerne auf die Verlagsseite und spare mir überflüssige Worte.
(Script5 gibt es übrigens auch auf Facebook - wer Fan wird, bleibt automatisch auf dem Laufenden!)

Ans Eingemachte hingegen geht auf www.splitterherz.com. Hier werden wir nach und nach Leseproben, skurrile bis mysteriöse Fundstücke zum Geschehen des Romans (hm - ist es tatsächlich ein Roman? Oder steckt gar Wahrhaftiges dahinter?) und einige Infos zu mir veröffentlichen, gekrönt von Aktionen für Leser, bei denen es etwas zu gewinnen gibt.
Leider ist das Kommentieren im Moment noch nicht möglich. Bitte habt Geduld bis Anfang nächster Woche, dann könnt ihr kräftig mitmischen. Und natürlich freue ich mich über Kommentare, Anregungen, Meinungen und Fragen, denn ein Blog lebt vor allem von seinen Lesern.

Es lohnt sich, bald wieder reinzuschauen … denn von nun an gibt es regelmäßig Nachschub.

Zum konkreten Lesealter hab ich jetzt bewusst mal gar nix gesagt. Aber wer gerne träumt und sich noch gut daran erinnern kann, wie es war, das erste Mal so richtig ernsthaft und kompromisslos verliebt zu sein und neugierig auf die Enthüllung nie geahnter Familiengeheimnisse ist, sollte den Klick auf www.splitterherz.com wagen.

So, und jetzt versuche ich, meine Augen wieder in eine runde Form zu bekommen und wünsche allen Besuchern ein schönes, ruhiges Restwochenende.

15. Oktober 2009

Buchmesse 2009: So macht das Spaß!

Abgelegt unter: Allgemein — admin @ 10:51

Nachdem ich ja 2006 schon einmal und sehr spontan als Privatbesucherin auf der Frankfurter Buchmesse war und weitgehend orientierungslos zwischen all den bunten Ständen herumirrte, war es dieses Jahr endlich so weit: Ich durfte die Buchmesse als Fachbesucherin erkunden. Und stellte am Schluss fest, dass es selbstverständlich auch als Privatbesucher sehr erfüllend sein kann, wenn man die Sache nur richtig angeht.
Denn als Fachbesucherin, sprich: Autorin, die für alle Eventualitäten gerüstet sein musste, hatte ich mich dieses Jahr entsprechend gründlich vorbereitet, und das ist niemals verkehrt. Ob Fach oder Privat.

Ich bin mit dem Auto angereist. Mein Tipp: gleich die Ausfahrt Rebstock-Parkhaus nehmen, parken, Infozettel zum Platz des Autos ziehen (ganz, ganz wichtig - es ist ein riesiges Parkhaus, in dem man sich vortrefflich verlaufen kann), sich von den Schildern zum Shuttle leiten lassen, einsteigen (kostenlos), zur Messe kutschieren lassen. Es ist möglich, sämtliche Hallen über lange, verglaste Schläuche zu Fuß (oder, wer schon fußlahm ist, per Transportierband und Rolltreppe) zu erreichen. Deshalb meine Empfehlung: Schal und Jacke gleich in der Galleria an der Garderobe abgeben, denn innerhalb der Hallen ist es sehr warm. Kostet 1,50 und lohnt sich wirklich.

Mein Eldorado war auch dieses Jahr wieder die Halle 3: Kinder- und Jugendbuch und Comics. Diese Halle ist lebendig, bunt und jung - so, wie sie sein sollte. Die Stimmung gestern war ausnehmend gut, man hat das Gefühl, die Branche brummt und ist durchweg positiv gestimmt. Das überträgt sich.
Viel sehen konnte ich dennoch nicht, da ich vom späten Vormittag bis zum Nachmittag nonstop in Gespräche vertieft war. Es war wunderbar, endlich die Gesichter zu den Stimmen am Telefon live und in Farbe sehen zu können und das Feedback war schier berauschend. Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle an meine Verlage, an meinen ersten Pressekontakt und natürlich an meine Agentin, die mich so herzlich in Empfang nahm und immer wieder mit wertvollen Insiderinformationen versorgte.

Wer Zeit und Lust hat, sollte mal beim Loewe-Stand vorbei schauen und sich eine dieser lilagraufarbenen Postkarten abgreifen … ähm … ich glaube, da steht auch mein Name drauf. Und der meines einen Buches. Und das Cover ist auch zu sehen. Und - nein, mehr verrate ich (noch) nicht.

Etliche Verlage verteilen kleine oder größere Sächelchen an ihre Besucher, ganz zu schweigen von den prachtvollen Bücherwänden, in denen nach Herzenslust gestöbert werden darf. Für müde Besucher warten fast überall Sitzgelegenheiten, auch in den Gängen zwischen den Hallen. Obwohl das Messegelände riesig ist, herrscht keine Bahnhofsatmosphäre. Manche Ecken dürfen sogar das Prädikat “gemütlich” in Anspruch nehmen. Ein Extralob gibts an die Sauberkeit auf den Toiletten - nicht ganz unwichtig bei solchen Besuchermassen wie dieses Jahr wieder zu erwarten sind. Ungewöhnlich stark war die Präsenz der Polizei. Vor dem Eingang wurden die Taschen durchsucht und man selbst bekam eine flinke Ganzkörperkonrolle  - also, Mädels, räumt noch mal eure Handtasche auf, dann gehts schneller.

Fazit: Ich fand meinen Buchmessetag gestern rundum schön und freue mich schon auf Leipzig …

 

Alle weiteren Infos auf : www.buchmesse.de

8. Oktober 2009

Absagen

Abgelegt unter: Tatort Reitstall — admin @ 16:15

Hört es denn nie auf - dieses grässlich lähmende, nagende, lastende Gefühl, etwas zu verpassen, zu verlieren, Lebenszeit zu verschenken, nachdem man (wenn auch aus triftigen Gründen) eine Reitstunde abgesagt hat?

So ist das wohl, wenn man etwas von Herzen gerne tut, ob erfolgreich oder nicht, und darauf verzichten muss.
Da hilft wohl nur, sich damit zu trösten, dass die gefühlte Zeit mit fortschreitendem Alter (und das Alter schreitet immer fort, unaufhörlich, oh ja) immer schnelllebiger wird und und eine Woche manchmal so rasch verstreicht wie ein einziger Tag.

Und schon ist es erlaubt, sich auf die nächste Stunde zu freuen. Komme, was wolle.

3. Oktober 2009

Tag wie dieser oder: der Fluch des Herdentiers

Abgelegt unter: Tatort Reitstall — admin @ 20:07

Meine letzte Reitstunde war wieder eine jener Reitstunden, nach denen man sich ernsthaft fragt, warum man sich nicht ein Hobby mit etwas geringerem Frustpotenzial ausgesucht hat. Vielleicht Bridge. Oder Scrabble. Oder Malen nach Zahlen.

Was des Reitens Faszination ist, ist auch sein Verhängnis: Es ist Sport mit lebendigen Wesen - und zwar hochsensiblen lebendigen Wesen. Das müssen sie sein, denn es sind Flucht- und Herdentiere. Das führt zu dieser manchmal so glückseligen, oft aber auch zermürbenden Symbiose zwischen Sportler und Sportgerät. Das Sportgerät weiß immer ganz genau, wie es um den Sportler bestellt ist.

Wenn wir erschrecken, weil eine Katze von der Bande springt, erschrickt das Pferd gleich doppelt, denn wir sind die Leitstute, auch wenn wir uns das in diesem Moment kaum vorstellen können. Aber der Adrenalinstoß geht mit einer höchst kuriosen Form der Zeitvorverschiebung einher (das Pferd merkt den Schreck, bevor wir registrieren, dass wir uns erschrecken) und das Rösslein unter uns wird gleich mal ein wenig mit hysterisch.
Das ist die eine Seite. Aber da gibt es auch noch die andere Seite, uns sie ist nicht minder kraftraubend. Sie zeigt sich dann, wenn wir gerade so gar nichts leitstutenmäßiges an uns haben. Wenn eine Erkältung in den Knochen steckt, das Stresslevel ungahnte Höhen erklimmt und wir eigentlich lieber schlaff auf dem Sofa hängen wollen und sollten als in den Stall zu fahren. Aber Reiten ist ja was Schönes, denken wir, und vielleicht rettet es den Tag, vielleicht schenkt es uns Endorphine, und in purer Selbstüberschätzung machen wir dann noch ausgerechnet an diesem trüben Abend die Steigbügel ein Loch länger, das klappt schon irgendwie. Nein, tut es nicht. Bevor wir uns überhaupt richtig hochgeschwungen haben, spürt Herdentier Pferd: Ach, so ist das heute. Transusentag. Keine Flugdinosaurier am Himmel, keine Raubtiere hinter der Bande. Chillen ist angesagt. Wenn die Leitstute so matt und träge ist, kann ich es auch sein und mir nen schönen Lenz machen. Galopp? Och nö. Heute nicht. Und wenn, dann nur drei Sprünge. Gut, einen halben vierten. Das war es aber auch. Schenkelweichen? Wie bitte? Weiß nicht, wie das geht, hab ich nie gelernt. Viereck verkleinern, Viereck vergrößern, haha, das glaubst du wohl selbst nicht. Schlangenlinien? Ich bleib lieber stehen und äppel ein bisschen. Ich kann das zwar auch im Traben, aber warum sollte ich es tun? Wir schlafen ja quasi schon.

Und die Leitstute sitzt keuchend und schimpfend und schwitzend auf ihrem Herdentier und sehnt sich nach einer berechenbaren, ruhigen, entspannenden Partie Bridge.
Das alles wäre eigentlich schon genug des Frusts - aber nein, zur Krönung sind die beiden anderen Reiter und ihre Herdentiere ausgerechnet an diesem schwarzen Abend in Hochform und glänzen mit verlängerten Trabschritten, Überstreifen und eleganten Galoppwechseln. Grmpf.

Nein, dem Herdentier kann und darf es wahrlich nicht vorgeworfen werden. Es hat wie immer der Reiter Schuld. Aber aufgeben wäre zu einfach. Deshalb bleibt am Schluss die vage Hoffnung, dass die Symbiose bald mal wieder glückselig ist.
Wer will schon Bridge spielen!?

27. September 2009

Sprachlos im Westerwald

Abgelegt unter: Allgemein — admin @ 18:32

Es gibt eine Frage, die ich in Zusammenhang mit meiner Arbeit geradezu fürchte - oder besser gesagt: sämtliche Variationen dieser Frage.

Zum Beispiel: Über was schreibst du denn? Oder: Von was handeln deine Bücher? Oder: Was für Bücher sind denn das, die von dir erscheinen?

Wer mir diese oder ähnliche Fragen stellt, wird anschließend vehement an der Zurechnungsfähigkeit meiner Agentin und Verlage zweifeln müssen, da die vermeintliche Autorin nicht einmal in der Lage ist, einen einzigen vernünftigen, grammatikalisch korrekten Satz zum Inhalt ihrer eigenen Ergüsse zu formulieren.
Nein, was nach einer solchen Frage kommt, ist heilloses Gestotter, das meistens in einer hilflosen Handbewegung und fortschreitender Errötung endet.
Ich bin einfach furchtbar schlecht darin, zu beschreiben, was ich schreibe.

Und heute habe ich den vorläufigen Gipfelpunkt der verbalen Hilflosigkeit erreicht. Wir haben in einem dieser vielen, vielen idyllischen Dörfer um uns herum eine Museumsscheune besucht. Ein älterer Mann hortet dort Schätze, die das Herz eines jeden Historikers (also auch meines) sofort höher schlagen lassen. Alltagsgegenstände von anno dazumal, angefangen von einer funktionsfähigen Getreidemühle, in die man niemals seinen Arm stecken sollte, bis hin zu einem halb fertig gestrickten Strumpf aus Schafswolle, der verblassenden Tinte auf zerknitterten Feldpostbriefen und hölzernen Waschmaschinen, deren Inhalt noch per Hand geschleudert werden musste.
In echte Verzückung geriet ich aber erst, als ich ein uraltes Leinenhemd aus dem 19. Jahrhundert berühren durfte. “So fühlt sich das also an”, flüsterte ich hingerissen und spürte plötzlich die fragenden Blicke des Museumswärters auf meinem Nacken  (ich hatte nur noch Augen für das Hemd und ihn schon beinahe vergessen).
“Ähm, ja, also in meinem Buch, da, äh. Das hier ist ganz toll für mich, weil - die Hauptperson, naja, eine der Hauptpersonen, der Mann, ach, eigentlich ist es eher - jedenfalls - er hat immer ein altes Hemd an. Und … Tja.” 
Eilig löste ich meine Hände von dem verblichenen Stoff, hastete zwei Schritte weiter und gab vor, in all den den Feldpostbriefen zu lesen, um meinem eigenen Gebrabbel zu entkommen.

Oh weh. Ja, das Hemd. Und der Mann. Und überhaupt. Vielleicht wird es beizeiten verstehen, wer meinen Roman für junge Erwachsene liest. Und dann wird mein Gebrabbel einen Sinn erhalten. Frühstens Mitte Januar. Vorher aber bleibt das Gebrabbel Gebrabbel.

Und zum Glück - zum Glück! - schreibt meine Lektorin den Klappentext.

20. September 2009

Tatort Reitstall: Des Meisters Liebling

Abgelegt unter: Tatort Reitstall — admin @ 20:12

Es ist immer wieder eine gewisse Ehre für mich, wenn mir beim Betreten des Stübchens jener Pferdenamen entgegen gerufen wird, der mich directement zu DER Box schlechthin führt. Ja, genau, die Box mit dem unangefochtenen Liebling des Großinquisitors, jenem Hengst, den er Kraft seiner eigenen Hände zum Licht der Welt verholfen hat und der auch nach 19 Jahren nichts von seinem Hengstsein in Taten umsetzt. Und deshalb sagt man über ihn: Der weiß gar nicht, dass er ein Hengst ist. Oder er hat es vergessen.

Nicht nur das macht ihn zu einem äußerst angenehmen Ross. Unarten hat er so gut wie keine. Kaum steht er in der Boxengasse, verfällt er in den Standby-Modus und lässt sich anstandslos putzen und satteln. An guten Tagen möchte er den Galopp etwas ausdehnen, an schlechteren abkürzen, und beim Schenkelweichen verlangt er nach harschen Kommandos. Und nach der Stunde möchte er jedes Mal selbst entscheiden, wann er in sein Wohnzimmer zurück stürmt. Doch ansonsten: ein Hengst zu Knutschen.

Dass er ein Königskind ist, spiegelt auch seine Sattelkammer wider. Oh, was es da nicht alles gibt. Ein Extradöschen mit Leckerli nur für ihn. Einen prall gefüllten Eimer mit Möhren der Spitzenklasse. Grüntransparentes Hufpflegegel nebst einem besonders weichem Pinsel, der vorsorglich in einen Leinenstreifen gehüllt wurde, damit den Spind auch ja keine Flecken beschmutzen. Ein Bürstchen für die exakt gestutzte Mähne. Eine Putzkiste, die jedem Frisörequipment Konkurrenz machen könnte. Malzbier für den verführerischen Schimmer im Kohlfuchs-Fell (ich nehme an, dass es dafür ist - ansonsten ein kräftiges Prosit auf den Durst nach dem Ausritt!). Und eine Packung Baby-Öltücher, deren Verwendung so delikat ist, dass ich sie lieber im sicheren Refugium der Unaussprechlichkeit belassen möchte (was den Großinquisitor auf meine erstaunte Nachfrage hin nicht davon abhalten konnte, sie knapp und gewohnt drastisch zu schildern).

Kurz: Das Hengstchen wird gehätschelt. Deshalb hoffe ich, dass es noch lange, lange über diesen Planeten trabt und mir hin und wieder meine Donnerstagabende versüßt.
Es ist eben das Pferd vom Chef. Und das ist niemals irgendein Pferd.

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